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Mieszkos Lanze

Der General warf sich das Kettenhemd über und ließ sich den Brustpanzer anlegen.

Mehrere Knechte eilten um ihn herum und halfen ihm in die Rüstung mit ihren komplex gebauten Gelenken und Schnallen. Doch niemand wagte es, die Lanze zu berühren. Fast ehrfürchtig sahen die Menschen zu ihr auf, denn sie war meisterhaft gearbeitet und hatte viele Schlachten überstanden. Viele tapfere Krieger sind unter dem kalten Stahl dieser Lanze gegeißelt worden. Man sagte, die Lanze müsse nie geschliffen werden, denn sie sei dauerhaft so scharf, dass man Steine mit ihr spalten könne. Die Lanze war genauso gefürchtet wie der General, der sie führte. Mieszko den Unüberwindlichen nannten sie ihn, und die Armee war stolz darauf, von ihm geleitet zu werden.

Der General nahm die Lanze von ihrer Halterung und ließ sich den Rot-Weiß gestreiften Schild geben, das Wappen des Königshauses.

Als er aus dem Zelt trat, fielen ihm warme Sonnenstrahlen ins Gesicht. Die Krieger, die ihn sahen, begannen laut zu jubeln. Mieszko stieg auf sein Pferd, ritt unter die Menge seiner Krieger und rief mit lauter, schallender Stimme: „Heute bricht ein neuer Tag für uns an! Heute siegen wir für das Königreich! Für die Freiheit!“

Ein Tumult brach los, als alle zweitausend Mann in das Gebrüll einstimmten. Dann machten sie sich auf den Weg zum Schlachtfeld, voran Mieszko mit seiner gefürchteten Kavallerie, der ganze Stolz des Königs. Jeder von ihnen trug eine Lanze und ritt auf einem braunen Fuchs, die feurigsten und besten Tiere, die in den Ställen gezüchtet wurden. Sie alle hatten eine lange Ausbildung hinter sich und flohen nie vom Schlachtfeld, so verzweifelt die Situation auch sein mochte, denn sie waren ihrem Anführer gegenüber loyal und würden sich bedingungslos für ihn opfern. Plötzlich hielt der nicht enden wollende Zug von Menschen an. Sie hatten ihr Ziel erreicht. Ihnen gegenüber standen Krieger in schwarzen Schilden und schwarzen Rüstungen, vielleicht doppelt so viele wie diejenigen, die Mieszko befehligte.

Der General der feindlichen Armee stand bereits in der Mitte des Schlachtfeldes. Als jedoch Mieszkos Krieger ihre Bögen spannten, gebot er ihnen mit einer Handbewegung Einhalt. Er ritt alleine zum anderen General und hielt erst an, als er ihm so nahe war, dass das Pferd des anderen scheute. „Schöner Tag heute, nicht?“, fragte Mieszko. „Hör auf zu sprechen und kämpfe“, antwortete der andere. „Ich weiß noch nicht einmal deinen Namen, und den will ich wissen, bevor du tot im Staub liegst.“ „Mein Name ist Tirion. Du wirst dich an den Namen erinnern, wenn deine Krieger besiegt sind.“ „Soso, Tirion. Nun, wenn du dich so sicher fühlst, wieso führen wir die Sache nicht in einem Zweikampf zu Ende? Viertausend Leichen wegzukarren, wäre schon viel Arbeit für meine Krieger.“

„Meine Krieger wollen Kämpfen, und nicht dabei zusehen“, sagte Tirion. Er wandte sich zu seinen Soldaten um und rief: „Wollt ihr kämpfen?“ Die Menge johlte und brüllte zur Antwort. Unbeeindruckt ritt Mieszko an Tirion vorbei, in Richtung dessen Krieger. Vor einem hielt er an und deutete mit seiner Lanze auf ihn. „Was ist dein Beruf?“, fragte der General. „Ich bin Töpfer, Herr“, sagte dieser zögerlich. Mieszko ritt weiter zu einem anderen. „Und deiner?“ „Ich arbeite als Schneider“, antwortete er. Der General ritt zurück zu Tirion und wandte sich in die Richtung seiner Krieger. „Was ist euer Beruf?“, rief er schallend. „TÖTEN!!!“, kam die Antwort wie aus einem Munde. „Willst du jetzt deinen Zweikampf?“, fragte Mieszko ein weiteres Mal, lächelnd. Tirion, der offensichtlich beeindruckt von dieser Vorstellung war, nickte und stieg vom Pferd. Auch Mieszko stieg hinab, doch er behielt seine Lanze in der Hand.

Die beiden Generäle kreisten umeinander und suchten nach Lücken in der gegnerischen Verteidigung. Dann klirrten das erste Mal Lanze und Schwert aneinander, ein Geräusch, das wie ein Echo über das ganze Schlachtfeld schallte. Mieszko ging in die Verteidigung und die Schläge Tirions wurden immer wütender und stärker. Dann hatte der Unüberwindliche genug gesehen. Als Tirion erneut zum Schlag ausholte, wich er zunächst nach rechts aus und ließ an seinem Oberarm eine Lücke frei. Im letzten Moment aber kam wie aus dem Nichts seine Lanze von rechts und schlug dem völlig verblüfften General das Schwert aus der Hand. Mieszko hielt Tirion die Lanze an die Kehle.

„Du hast verloren, zieht ab und gibt das Land frei.“, sagte der General. Dann stieg er auf sein Pferd und ritt unter dem Jubel seiner Krieger zurück.

Doch auf einmal hielt Mieszko inne, seine Augen weiteten sich. Aus seinem Rücken ragte ein Pfeil, der ihn knapp unter der Brust getroffen hatte. Der General wandte sich um und sah Tirion hinter sich stehen, den Langbogen in der Hand.

„Feigling“, flüsterte Mieszko leise, wandte sein Pferd um und ritt dem gegnerischen General entgegen. Seine Krieger folgten ihm, und jeder hatte das Flackern der Wut in den Augen. Mieszko tötete Tirion mit einem gezielten Stoß ins Herz und ritt weiter in Richtung der schwarz gerüsteten Krieger. Wie ein Keil drang er in ihre Reihen ein und mähte sich wie ein Schnitter im Korn weiter. Mieszko starb im Kampf, schwer verwundet und von vielen Gegnern umkreist.

Doch die Lanze – Mieszkos Lanze – sie wurde nie gefunden.

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